Sedcards für Best Ager: Was gehört rein?

Die Chance, ab einem Alter von 50 Jahren als Model durchzustarten, wird stetig größer. Die Werbebranche interessiert sich zunehmend für Kunden dieser Altersgruppe und sucht für passende Marketingfotos und -filme entsprechende Models und Kleindarsteller. Doch wer gebucht werden will braucht vor allem eines: eine aussagekräftige Sedcard. Ohne diese gibt es keine Aufträge.

Was ist eine Sedcard?
Eine Sedcard besteht zum einen aus einer Titelseite auf der ein Bild das Model vom Scheitel bis zu den Füßen zeigt. Dazu gehört gut lesbar der Name der bewerbenden Person. Auf die Titelseite folg eine Sammlung aus mehreren, professionell aufgenommenen, Fotos. Die Aufnahmen sollen die schauspielerischen Facetten und Stylingmöglichkeiten des Models sofort erkennbar machen.
Das Format der Bilder ist gängiger Weise hochkant und in der Größe DIN A4.
In einer Mappe werden die Fotos dann zusammengefasst und nach Möglichkeit thematisch geordnet. Auf die Rückseite der Sedcard gehören die persönlichen Daten des Models wie Körpermaße, Konfektionsgröße, Alter, Kontaktadresse.
Es sollte immer eine digitale Version der Sedcard, zum Beispiels als PDF, angelegt werden, da mache Firmen diese gerne per E-Mail erhalten. Agenturen und Produktionsfirmen nehmen Bewerbungen ohne Sedcard oft gar nicht erst an.
Wer schlechte Bilder einreicht, riskiert, nicht gebucht zu werden.

Wie alt dürfen die Aufnahmen sein?
Die Fotos in der Sedcard-Mappe sollten nicht ältere als ein Jahr sein. Jedes Model verändert sich sich stetig. So kann es passierten, dass man bereits nach zwei Jahren für eine andere Kategorie Fotoshootings in frage kommt als mit der Sedcard zuvor. 

Wie viele Bilder kommen in eine Sedcard? 
Die Frage, wie viele Bilder in die Bewerbungsmappe gehören, lässt sich nicht universell beantworten. Hier gilt: fragen Sie bei der Agentur oder Produktionsfirma lieber nach, bevor Sie eine falsche Menge einreichen. Manchen Auftraggebern sind zwölf abwechslungsreiche Fotos lieber als 100 mit nur wenigen Unterschieden. Gängige Mengen sind 20 oder 40 Fotos. Im Zweifel lassen Sie lieber zu viele Fotos schießen als zu wenig.

Welche Arten von Fotos gehören in die Mappe?
Die Sedcard sollte in verschiedene Themenbereiche eingeteilt sein. Das können beispielsweise Fotoserien aus den Bereichen Sport, Beruf oder Mode sein. Zu diesen Themen sollte es dann verschiedene Bilder in unterschiedlicher Kleidung und Posen geben. Auch die Kameraeinstellung ist wichtig: es muss Porträts mit Blickkontakt geben, aber auch Totalaufnahmen, die den ganzen Körper zeigen. Auch Aufnahmen des Profils dürfen nicht fehlen. Abschließend gehört ein unbearbeitetes Polaroidbild in die Mappe, das das Model ungeschminkt zeigt.
Für jede Aufnahme gilt: zeigen Sie ihr Schauspieltalent!

Wie läuft ein Shooting?
Wer viele Ideen für Fotomotive der Sedcard hat, kann diese einfach der/dem FotografIn unterbreiten und bekommt eine Rückmeldung, ob die Ideen umsetzbar sind. Wer sich unsicher ist, erhält von erfahrenen FotografInnen Tipps und Setting-Vorschläge, damit das Shooting rundum gelingt. Wichtig ist, dass Sie sich in Ihren Rollen vor der Kamera wohl fühlen. Manchen fällt es bereits schwer, im Pyjama zu posieren, andere haben kein Problem damit, sich halbnackt zu zeigen. In einem guten Fotostudio wird auf die jeweiligen Bedürfnisse eingegangen.

Ab welchem Alter sehen Agenturen Models als „Best Ager“?
Unterschiedlich! Viele Agenturen führen Models ab 50 Jahren als Best Ager. Andere ziehen die Linie schon bei 40 plus. Also auch hier sollte man sich informieren. Mittlerweile gibt es Agenturen, die ausschließlich Best Ager führen.

Wichtig ist: seriöse Agenturen erheben vorab keine Gebühren. Erst wenn ein Auftrag erfolgreich abgeschlossen ist, wird der vertraglich bestimmte Satz fällig. 

Das Babylon Kino zeigt die Dokumentation „Verlorene Sterne“

Regisseur Abdolreza Kohanrouz hat Houman Mirrafatis Autobiografie verfilmt. Mirrafati war jahrelang in irakischer Kriegsgefangenschaft

Berlin. In Falkensee kennen die Menschen Houman Mirrafati durch sein Engagement bei der Initiative „Willkommen in Falkensee“ und für den atheistisch-agnostischen Verein „Pro Urknall“. Mirrafati kann Menschen mit Problemen zuhören und wenn einmal ein Gegenstand kaputt geht, dann kann der Tischlermeister helfen, ihn zu reparieren.

Houman Mirrafati stellt in Schaukästen Dinge aus, die er in der Gefangenschaft hergestellt oder gebraucht hat. Foto: Vivien Tharun

Viele wissen aber nicht, wieso Mirrafati nach Berlin zog und warum ihm „Willkommen in Falkensee“ so wichtig ist. Er selbst musste aus Angst vor einer Steinigung seine Heimat, den Iran, 1992 verlassen. Zuvor saß er von 1985 bis 1990 in irakischer Kriegsgefangenschaft. Traumatisiert floh er nach Deutschland und ging in Berlin 1992 in eine Therapie für Folteropfer. „Es war mein Arzt, der mir riet, alles aufzuschreiben, was mir passiert ist“, sagt Mirrafati. Als eine Art Schreibtherapie. „Und dann fing ich mit der Schreibarbeit an. Zuerst für nur mich.“ Doch schließlich fand er, dass es vielleicht gut sei, wenn auch andere von seinem Schicksal erfahren würden.

„Es entstand nach und nach das Buch, so wie es jetzt ist.“ Er schreibt darin, wie er als junger Mann nach Schulabschluss und Ausbildung zum Militärdienst antreten musste und wie dieser Dienst in den Krieg zwischen Iran und Irak überging. Viele in seiner Truppe starben. Er und ein paar andere ergaben sich den gegnerischen Irakern, als sie keinen Ausweg mehr sahen. Da war Houman Mirrafati gerade einmal 23 Jahre alt.

Fünf Jahre lang erlebte er Folter und hungerte oft. Sein Körper litt und Mirrafati kam zu dem Schluss: „Wenn die Welt so schlimm ist, kann es keinen Gott geben.“ Doch als Atheist wird das Leben im Iran schwer. „Nach meiner Gefangenschaft musste ich regelmäßig zu Verhören.“ Als herauskam, dass er nicht an Gott glaubt, kam der nächste Schicksalsschlag: „Von einem Freund erfuhr ich, dass ich eine Steinigung zu befürchten habe.“ Und er machte sich auf die Flucht. „Ich wollte meiner Familie nicht antun, meinen Tod erleben zu müssen.“

Er überlegte, zu Verwandten nach Schweden zu gehen, doch ein wirkliches Ziel, außer den Iran zu verlassen, hatte er nicht. Er kam in Polen an und der Zufall wollte es, dass er von dort nach Berlin mitgenommen wurde. „Ich habe einen Sprachkurs nach dem anderen belegt, damit ich arbeiten und hierbleiben konnte“, sagt Mirrafati. Das klappte. Er holte die Gesellenprüfung zum Tischler nach und machte anschließend den Meistertitel.

Seine niedergeschriebenen Erlebnisse wurden erstmals 1994 in Eisenach vorgelesen. In den folgenden Jahren schrieb und sprach er immer wieder über sein Leben und landete letztlich bei dem persischen Ableger der BBC in London, wo er ein Interview gab. Durch diesen Interviewtermin in England ergab sich, dass der iranische Regisseur Abdolreza Kohanrouz, der ebenfalls im Exil lebt, von Mirrafati erfuhr. „Sein Bruder war ein Bekannter von mir und stellte den Kontakt her“, sagt Mirrafati. Kohanrouz begann 2016 das Drehbuch zu schreiben und die Filmeinstellungen zu planen.

Er kam mit einem Kameramann nach Berlin, um mit dem Drehen zu beginnen. In einer alten Kaserne in Schönwalde-Glien musste Houman Mirrafati Erlebnisse nachspielen und nacherzählen. „Ich dachte erst, das würde schwer für mich, weil ich kein Schauspieler bin. Aber es wurde schwer, weil alles Erlebte wieder hoch kam.“ Nach drei Tagen Dreh dachte Mirrafati erst, er schaffe weitere Aufnahmen nicht. „Ich wollte schon alle aus meinem Haus schmeißen.“ Doch der Wunsch, der Welt zu zeigen, wie schlimm die Folgen des Kriegs sind, überwog.

Der Film wurde fertig und kommt jetzt ins Kino. „Verlorene Sterne“ wird am 14. September, 20 Uhr, im Babylon gezeigt. Es gibt noch einige Restkarten unter:
Babylon Kino

Und wer es nicht ins Kino schafft, kann die Geschichte auch lesen oder anhören.
Das Hörbuch stellt die Initiative „Willkommen in Falkensee“ kostenlos auf ihrer Homepage zur Verfüngung: Willkommen in Falkensee
Das Buch gibt es als Amazon-Bestellung

Mit Brillen in den Irak

Fotograf Ruben Timman reist 4.000 Kilometer, damit zwei Mädchen mit Albinismus wieder sehen können

 

Manchmal, so sagt der niederländische Dokumentarfotograf Ruben Timman, gingen einem Ideen durch den Kopf, die man lange nicht umsetzt. „Umso erleichternder ist es, sie dann endlich Realität werden zu lassen.“ Seit Timman 2016 im Irak war, um Menschen in schweren Lebenssituationen würdevoll zu fotografieren, verfolgt ihn eine solche Idee. Damals schoss er ein Porträt von Melek —  einem siebjährigen Mädchen, das an Albinismus leidet. Meleks Porträt wurde zu einem der Bilder, die Timmans Projekt „Museum der Menschheit“ am deutlichsten repräsentieren.

Auf ihrem Foto sieht sie nach unten, weil ihre Augen so lichtempfindlich sind, dass sie nicht in die Kamera blicken kann. Mit ihren jungen Jahren musste sie schon vor dem IS fliehen, in ihrer Schule wird sie wegen ihrer weißen Haare gehänselt.
Timman wollte diesem Mädchen eine Freude machen und Melek und ihrer Schwester Zara jeweils eine spezielle Brille für Menschen mit Albinismus schenken. Solche Sonderanfertigungen sind im Irak nicht erhältlich.

Nach drei Jahren des Wartens hat das nun geklappt. Auch dank einer Geldspende aus der ostwestfälischen Hansestadt Warburg. „Die Spenderin möchte anonym bleiben“, sagt Timman. „Ich danke ihr sehr.“ Ein niederländisches Magazin unterstützt die Reise ebenso. Im Irak vermisst ein Optiker die Augen der Mädchen und schickt die Daten an Timman, so dass in den Niederlanden die Brillen gefertigt werden.

Die Reise in den Irak ist für Timman und seine drei Begleiter (einen Journalisten, einen Kameramann und einen Regisseur) nicht einfach. Weil das Visum nicht rechtzeitig kommt, beschließt das Team, über den kurdischen Teil im Norden des Landes einzureisen, für den keines nötig ist.

Doch wie dann weiter? Im Land angekommen muss ein kleines Wunder her, damit sie mit dem Auto über die Grenze in den irakischen Teil fahren können. „Wir wollten von Erbil nach Karakosch“, sagt Timman. An Teilen der Fahrtstrecke liegen noch Straßenbomben des IS. Timmans Team muss sich voll und ganz auf die Ortskenntnisse des einheimischen Übersetzers Rabi verlassen.
Und das klappt: Sie passieren die Straßen unbeschadet. Und als die Grenzwachen das Team zurückschicken wollen, ist es der sozial gut vernetzte Rabi, der das entscheidende Telefonat führt: „Er hat den Bischof von Karakosch angerufen.“

Der Bischof organisiert darauf das Nötige und weist die Grenzwächter telefonisch an, Timman und Crew durchzulassen. „Als die Barke hochging, waren wir unendlich erleichtert“, sagt der Dokumentarfotograf.

In Karakosch angekommen, warten Melek und ihre Familie bereits auf den Besuch. Timman geht zur mittlerweile zehn Jahre alten Melek und überreicht ihr ihre Brille. Was dann passiert, berührt Timman noch immer: Melek setzt die Brille kurz auf und sieht sich um. Sie nimmt die Brille wieder ab und legt sie vorsichtig weg. „Dann hat sie angefangen zu weinen und lange nicht aufgehört“, sagt Timman. Als das Mädchen sich wieder fassen kann, greift es zur Brille und setzt sie wieder auf. „Sie hat sie dann nicht mehr abgenommen und sich den ganzen Abend lang gefreut“, sagt der Fotograf.

2016 konnte Melek durch ihren Albinismus das Licht der Kamera nicht vertragen.
Mit ihrer neuen Brille klappt das nun. Fotos: © Ruben Timman

Für Melek ist es nach Langem wieder ein freudiger Moment. Ihre Familie musste 2016 vor dem IS in ein Flüchtlingscamp fliehen. Das Haus nutzte der IS als Stützpunkt – Meleks Zimmer war die Kommandozentrale. Jetzt hat die Familie es wieder und die Wände in kräftigen Farben gestrichen, um alle Spuren der Besatzung unsichtbar zu machen.

„Aber dauerhaft möchten sie nicht mehr in Karakosch wohnen“, sagt Timman. Die Christen, zu denen Meleks Familie gehört, würden mehr und mehr verdrängt. Die große Schwester Zara kann keinen Schulabschluss machen. Sie hat durch ihren Albinismus nur noch fünf Prozent Sehkraft und kann darum nicht mehr zur normalen Schule. „Zara braucht ihre neue Brille noch dringender als Melek“, sagt Timman. Zara ist introvertiert. Sie hat in der Schule immer sehr unter Hänseleien gelitten. Sie begann, sich die Haare zu färben, um wie die anderen zu sein. Timman hofft, dass für sie nun alles besser wird.

Wieder in den Niederlanden teilt Timman sein Erlebnis über Facebook mit der Welt. Mehr als tausend „Likes“ bekommt er von den Lesern. „Doch diese Reise ist nur ein Tropfen in einem Ozean“, sagt Timman. „Ich hoffe, mehr Menschen fühlen sich durch diese Aktion motiviert, anderen zu helfen. Dann wird die Welt ein Stück schöner.“

 

Museum der Menschheit

Für sein Fotoprojekt „Museum of Humanity“ hat der Niederländer Ruben Timman weltweit rund 3.800 Menschen fotografiert. Die Porträts sollen zeigen, dass jeder Mensch Würde in sich trägt und es verdient, würdevoll behandelt zu werden – egal welcher Herkunft. Derzeit ist eine Auswahl der Bilder als Freilichtausstellung in der Warburger Innenstadt zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Oktober diesen Jahres. Der Eintritt ist frei. 

Zur Homepage des Museum der Menschheit

Text von Vivien Tharun. Das Gespräch mit Ruben Timman erfolgte im Juli 2019.