Israeltag in Falkensee

Ein Vortragsabend ist Teil der Israelwoche in Brandenburg. Es referieren der ehemalige ARD-Kameramann Michael Shubitz und die Mitbegründerin der Kibbuzbewegung, Nurit Kaziry

Foto: Vivien Tharun

Falkensee. 2G macht es möglich: Diese Woche gibt es wieder eine Veranstaltung im Musiksaalgebäude. Die Europa Union Havelland und die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin-Brandenburg haben einen Vortragsabend mit zwei renommierten ReferentInnen organisiert.

Nurit Kaziry spricht über den Mythos Kibbuzbewegung. Sie selbst war Mitbegründerin dieser. Wie der Blick deutscher Medien auf Israel ist, weiß Michael Shubitz, der viele Jahre lang Kameramann in Israel für die ARD war.

Alle Veranstaltungsorte und Referenten unter diesem Link.

Den Abend moderiert die Vizepräsidentin des Brandenburger Landtags, Barbara Richstein. Wer sich für die Veranstaltung anmelden möchte, kann das unter schalom (at) digberlin.de Weitere Informationen zur Israelwoche gibt es auf der Homepage der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg.

Das Babylon Kino zeigt die Dokumentation „Verlorene Sterne“

Regisseur Abdolreza Kohanrouz hat Houman Mirrafatis Autobiografie verfilmt. Mirrafati war jahrelang in irakischer Kriegsgefangenschaft

Berlin. In Falkensee kennen die Menschen Houman Mirrafati durch sein Engagement bei der Initiative „Willkommen in Falkensee“ und für den atheistisch-agnostischen Verein „Pro Urknall“. Mirrafati kann Menschen mit Problemen zuhören und wenn einmal ein Gegenstand kaputt geht, dann kann der Tischlermeister helfen, ihn zu reparieren.

Houman Mirrafati stellt in Schaukästen Dinge aus, die er in der Gefangenschaft hergestellt oder gebraucht hat. Foto: Vivien Tharun

Viele wissen aber nicht, wieso Mirrafati nach Berlin zog und warum ihm „Willkommen in Falkensee“ so wichtig ist. Er selbst musste aus Angst vor einer Steinigung seine Heimat, den Iran, 1992 verlassen. Zuvor saß er von 1985 bis 1990 in irakischer Kriegsgefangenschaft. Traumatisiert floh er nach Deutschland und ging in Berlin 1992 in eine Therapie für Folteropfer. „Es war mein Arzt, der mir riet, alles aufzuschreiben, was mir passiert ist“, sagt Mirrafati. Als eine Art Schreibtherapie. „Und dann fing ich mit der Schreibarbeit an. Zuerst für nur mich.“ Doch schließlich fand er, dass es vielleicht gut sei, wenn auch andere von seinem Schicksal erfahren würden.

„Es entstand nach und nach das Buch, so wie es jetzt ist.“ Er schreibt darin, wie er als junger Mann nach Schulabschluss und Ausbildung zum Militärdienst antreten musste und wie dieser Dienst in den Krieg zwischen Iran und Irak überging. Viele in seiner Truppe starben. Er und ein paar andere ergaben sich den gegnerischen Irakern, als sie keinen Ausweg mehr sahen. Da war Houman Mirrafati gerade einmal 23 Jahre alt.

Fünf Jahre lang erlebte er Folter und hungerte oft. Sein Körper litt und Mirrafati kam zu dem Schluss: „Wenn die Welt so schlimm ist, kann es keinen Gott geben.“ Doch als Atheist wird das Leben im Iran schwer. „Nach meiner Gefangenschaft musste ich regelmäßig zu Verhören.“ Als herauskam, dass er nicht an Gott glaubt, kam der nächste Schicksalsschlag: „Von einem Freund erfuhr ich, dass ich eine Steinigung zu befürchten habe.“ Und er machte sich auf die Flucht. „Ich wollte meiner Familie nicht antun, meinen Tod erleben zu müssen.“

Er überlegte, zu Verwandten nach Schweden zu gehen, doch ein wirkliches Ziel, außer den Iran zu verlassen, hatte er nicht. Er kam in Polen an und der Zufall wollte es, dass er von dort nach Berlin mitgenommen wurde. „Ich habe einen Sprachkurs nach dem anderen belegt, damit ich arbeiten und hierbleiben konnte“, sagt Mirrafati. Das klappte. Er holte die Gesellenprüfung zum Tischler nach und machte anschließend den Meistertitel.

Seine niedergeschriebenen Erlebnisse wurden erstmals 1994 in Eisenach vorgelesen. In den folgenden Jahren schrieb und sprach er immer wieder über sein Leben und landete letztlich bei dem persischen Ableger der BBC in London, wo er ein Interview gab. Durch diesen Interviewtermin in England ergab sich, dass der iranische Regisseur Abdolreza Kohanrouz, der ebenfalls im Exil lebt, von Mirrafati erfuhr. „Sein Bruder war ein Bekannter von mir und stellte den Kontakt her“, sagt Mirrafati. Kohanrouz begann 2016 das Drehbuch zu schreiben und die Filmeinstellungen zu planen.

Er kam mit einem Kameramann nach Berlin, um mit dem Drehen zu beginnen. In einer alten Kaserne in Schönwalde-Glien musste Houman Mirrafati Erlebnisse nachspielen und nacherzählen. „Ich dachte erst, das würde schwer für mich, weil ich kein Schauspieler bin. Aber es wurde schwer, weil alles Erlebte wieder hoch kam.“ Nach drei Tagen Dreh dachte Mirrafati erst, er schaffe weitere Aufnahmen nicht. „Ich wollte schon alle aus meinem Haus schmeißen.“ Doch der Wunsch, der Welt zu zeigen, wie schlimm die Folgen des Kriegs sind, überwog.

Der Film wurde fertig und kommt jetzt ins Kino. „Verlorene Sterne“ wird am 14. September, 20 Uhr, im Babylon gezeigt. Es gibt noch einige Restkarten unter:
Babylon Kino

Und wer es nicht ins Kino schafft, kann die Geschichte auch lesen oder anhören.
Das Hörbuch stellt die Initiative „Willkommen in Falkensee“ kostenlos auf ihrer Homepage zur Verfüngung: Willkommen in Falkensee
Das Buch gibt es als Amazon-Bestellung

Wohin mit den Büchern?

Bibliothek Dallgow sucht einen neuen Standort

Dallgow-Döberitz. Es immer allen recht zu machen, ist nicht möglich. Die Gemeinde Dallgow-Döberitz merkt das gerade am Beispiel der Gemeindebibliothek. Die soll nämlich umziehen.
Aber wohin? Und was ist der Grund?

Dallgower Gemeindebibliothek am Bahnhof. Credit: Vivien Tharun
Sobald der Bahnhofsvorplatz umgestaltet ist, bräuchte die Gemeindebibliothek eine Rollstuhlrampe. Die würde teuer, da an dem geschützten Gebäude nur eine bestimmte Bauweise erlaubt wäre. Foto: Vivien Tharun

Wie Bürgermeister Sven Richter im Sozialausschuss am Mittwoch, 9. Mai, sagte, ergebe sich durch die Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes, dass die Bibliothek zukünftig eine Rollstuhlrampe bräuchte. Doch der Komplex, in dem die Bibliothek gerade ist, ist geschützt und es müsste eine spezielle, sehr teure, Rampe angebaut werden. „Die Investition möchten wir für ein Gebäude, das uns nicht gehört, nicht machen“, sagte Richter.

Also wurde nach Ausweichmöglichkeiten für die Bücherei gesucht.
In die Auswahl fiel unter anderem der Kunstraum im Computerkurs- und Kunstgebäude der Grundschule am Lidl-Verkehrskreisel.
Das sorgte bei Eltern und der Elternvertretung der Grundschule für Unmut. Die Schule hat Schülerzuwachs, die nächste erste Klasse wird wieder sechszügig. Jeder Raum wird gebraucht. Derzeit sind einige Horträume noch von der Kita Schlumpfenland belegt, die aber wieder ausziehen wird, sobald der Neubau ihres Kindergartens fertiggestellt ist.

Doch das würde eben nur Horträume und keine Schulräume freigeben. Hortbetrieb und Schulbetrieb sind in Ablauf und Konzept streng von einander getrennt. Zudem hatte die Gemeinde zugesichert, dass nach Auszug der Kita nichts Neues in der Schule angesiedelt würde.

Die Gemeinde hatte überlegt, die Bücherei im Kunstraum der Grundschule (oben rechts im Bild) anzusiedeln. Durch einen separaten Aufgang wäre eine Trennung von Schulbetrieb und Bibliothek möglich gewesen. Foto: Vivien Tharun

Weitere Befürchtungen der Elternvertreter waren, dass sich zu den Betriebszeiten der Bücherei Fremde auf das Schulgelände begeben könnten. Die Gemeinde hatte dazu angemerkt, das Kunst- und Computerkursgebäude habe einen separaten Eingang und könne anders umzäunt werden. Zudem sei es durch den vorhandenen Fahrstuhl barrierefrei.

Problematisch ist hierbei, dass der separate Eingang eine Treppe ist, die zum ersten Stock führt und der Fahrstuhl nur im Inneren ist und wieder zu Räumen führt, die die Schüler benutzen.
Auch hier würde ein Umbau oder neuer Zaun Geld kosten.

Elternsprecherin Andrea Lampe nahm darum Kontakt zur Schulleitung und Gemeinde auf, um die Meinung der Elternschaft zum Umzug der Bücherei weiterzugeben. „Positiv ist, dass die Gemeinde uns zugehört hat und auch die Schule rechtzeitig von ihr darüber informiert wurde, dass der Kunstraum für die Bibliothek infrage kommt.“ Das sei eine bessere Kommunikation als in den Vorjahren, so die Sprecherin.
Enttäuscht war Lampe darüber, dass schon wieder die Schule für ein Raumproblem der Gemeinde herhalten müsse und dafür überhaupt in Betracht gezogen wurde.

Im Sozialausschuss teilte Bürgermeister Sven Richter dann mit, dass der Kunstraum als Option für die Bibliothek nun „vom Tisch“ sei. Allerdings würde weiterhin gemeinsam mit der Schule nach einem Standort für die Bücherei gesucht. „Wir werden aber nichts machen, was die Schulleitung nicht will“, versicherte Richter.

Vorerst bleibt also weiter offen, wohin die Bibliothek ziehen kann.