Jahresbericht der NABU-AG „Turmvögel“

Bestände der Turmbrüter weiterhin kritisch

Falkensee. Die Populationsentwicklung der Vogelarten Dohle, Schleiereule und Turmfalke hat sich laut Roter Liste Brandenburg 2019 eher verschlechtert. Nur bei der Dohle hat sich die Gefährdungsstufe um eine reduziert. Bei einer Reihe von Vogelarten des Siedlungsraumes ist keine generelle Verbesserung des Erhaltungszustandes erreicht. Auch Gebäudebrüter sind mehrheitlich vom Rückgang ihrer Populationen betroffen.

Die Arbeitsgruppe „Turmvögel“ des NABU Regionalverbandes Osthavelland versucht seit fünf Jahren, diese Situation zu verbessern, in dem die Gruppe Brutkästen aufhängt.

Die aktiven Mitglieder der Gruppe sind auch in diesem Jahr die drei Ehrenamtlichen Monika Weber, Bernd Wieseke und Konrad Bauer. Im März, April und November konnten wegen der Corona-Pandemie nur begrenzt Aktivitäten stattfinden.

Die Arbeitsschwerpunkte lagen neben den Brutkontrollen auf dem Einbau von neuen Nistkästen und der Wiederinstandsetzung alter. Durch die Corona-Pandemie war dies aber nur eingeschränkt möglich.

Die Turmvogelarten Schleiereule, Dohle und Turmfalke brüten gerne in Kirchen und alten Trafotürmen. Bei schadhaften Trafohäusern, vor allem mit defekten Dächern, hat sich bisher keine Verbesserung ergeben. Die häufig noch am Rande von Siedlungsbereichen stehenden Gebäude werden weiterhin von ihren Eigentümern nicht in angemessenem Umfang in Stand gehalten. Hier fallen wertvolle Brutstätten weg.

In vier Kirchen, zwei Scheunen und drei Trafotürmen konnten neue Nistkästen für Dohlen, Schleiereulen oder Turmfalken angeboten werden.

Erstmals hat die Gruppe an zwei Standorten an Betonmasten Dohlennistkästen angebracht. In Börnicke haben die Dohlen diesen neuen Nistkastenstandort sofort angenommen.

Für Schleiereulen gibt es nun an zwei neuen Orten Nistkästen. Mehrere alte oder defekte Kästen hat die Gruppe entweder repariert oder ersetzt.

Drei Kirchengemeinden und fünf Privatpersonen mit geeigneten Gebäuden hatten sich in diesem Jahr bereit erklärt, Nistkästen für mindestens eine der drei Turmvogelarten aufzuhängen.

Über die Betreuung der Turmfalken im Osthavelland berichtete der RBB (Antenne Brandenburg) im Rahmen einer Sendung im Februar und Juni 2020. In den Monaten Juli und August hat die Arbeitsgruppe Exkursionen zu jungen Turmfalken und Schleiereulen angeboten und durchgeführt.

Im Januar, Juli und November 2020 wurden weitere Kirchen im Osthavelland mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet. Das waren: Pausin, Paaren im Glien, Börnicke und Zeestow.
Und zum ersten Mal hat die Arbeitsgruppe zwei Hausgemeinschaften, die sich für den Erhalt und die Förderung von Rauchschwalben-Nestern einsetzen, mit der Plakette und dem Zertifikat „Schwalbenfreundliches Haus“ geehrt. Über Auszeichnungen und Arbeitseinsätze berichteten in diesem Jahr Pressevertreter der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der BRAWO, des Wochenspiegels und des RBB.

Drei Brutstandorte wurden dieses Jahr neu erfasst. 2020 waren die Dohlen-Nistkästen mit 26 neuen zahlenstark vertreten, dennoch besetzten die Krähenvögel in ihrer Not auch den ein oder anderen Schleiereulen- oder Turmfalkenkasten.

Die Anzahl der „Wildbruten“, also Nester, die die Vögel in Mauerlücken oder Fensterluken bauen, gab es in Kirchen Pessin und Brädikow. Mit sechs Brutpaaren stieg die Zahl der Wildbruten damit leicht und zeigt den Nistplatzbedarf der Tiere. Wildbruten haben den Nachteil, dass die noch nicht flügge gewordenen Jungtiere von den glatten Türmen stürzen können, was sie in der Regel nicht überleben.

An mehreren Orten des Osthavellands fand die Arbeitsgruppe Gewölle der Schleiereule. Die Gewölle lassen vermuten, dass die Eulen an diesen Orten die helle Zeit des Tages (genannt „Tageseinstand“) verbringen. Tageseinstände waren demnach hauptsächlich schadhafte Trafohäuser mit undichten Dächern, oder Kirchen, in denen es noch keine erfolgreichen Bruten gab.

Bestandszahlen für 2019 und 2020

Anzahl der angebotenen Nistkästen im Osthavelland pro Brutperiode 2019: 134 Stück. Davon zur Brut genutzt: 56 Kästen. In diesem Jahr gab es dann schon 169 Kästen, 63 davon zur Brut belegt.

2019 gab es bei der Dohle 37 Brutpaare und in diesem Jahr 39 Paare, beim Turmfalken waren es im Vorjahr neun und nun 12 Brutpaare. Zehn Brutpaare gab es 2019 bei der Schleiereule, wobei zwei Paare ein zweites Mal im Verlauf des Jahres erfolgreich nisteten. 2020n waren es schon 18 Paare, von denen fünf ein zweites Mal brüteten.

Folgende Jungvogelzahlen gab es 2019 in Nistkästen im Osthavelland: 77 Dohlenküken wurden flügge, ebenso 37 Turmfalken und 60 Schleiereulenkinder. Diese Zahlen verbesserten sich dieses Jahr auf 127, 56 und 101. Damit gab es bei den Dohlen und den Schleiereulen erstmals mehr als 100 Küken im Osthavelland.

In diesem Jahr wurden auch tote Vögel gefunden. Zwei Dohlen lagen in Kirchtürmen. Eventuell haben sie die Ausflugöffnung nicht wieder gefunden. Sieben Dohlennestlinge sind vermutlich erfroren, nachdem sie aus Nest gefallen gefallen sind.

Zwei Schleiereulenküken lagen tot im Nest. Vermutlich sind sie an Nagetieren gestorben, die Gift gefressen hatten. Eine Schleiereule starb durch einen Kampf. Die Arbeitsgruppe vermutet, ein Marder hat den Vogel zerbissen. Und eine ausgewachsene Eule starb auf der B5, wo sie wahrscheinlich angefahren worden war.

Insgesamt ist die nochmalige Steigerung bei den Jungvogelzahlen der Dohle wohl auf das vergrößerte Angebot von gesicherten Brutorten zurückzuführen. Der milde Winter und ein weiteres „gutes Mäusejahr“ dürfte den weiteren Anstieg bei der Zahl der Schleiereulen/Turmfalken befördert haben. Wieder konnte die Arbeitsgruppe Turmvögel fünf Zweitbruten der Schleiereule im Osthavelland nachweisen, wovon drei erfolgreich waren.

Erstmals wurden zwei Erstbruten der Schleiereulen beringt. Dabei halfen Vertreter der unteren Naturschutzbehörde.

Die Freiwilligen der NABU-AG haben im Jahr 2020 mehr als 500 Einsatzstunden geleistet und fuhren dafür rund 5.300 Kilometer als Fahrgemeinschaft.

Auch 2021 soll eine Reihe von Nistkästen ausgetauscht, beziehungsweise neu montiert werden. In Brädikow, Pessin, Niebede und Finkenkrug sind weitere zwölf Dohlenkästen in den jeweiligen Kirchen geplant. In Ribbeck, Nauen, Wachow, Hertefeld und Bredow steht die Erneuerung von fünf Schleiereulennistkästen an. Für Turmfalken plant die AG in Nauen, Börnicke und Ribbeck neue Nistkästen aufzuhängen.

Die Arbeitsgruppe Turmvögel hofft fürs kommende Jahr auf Spender, die für die Brutkontrollen und die für 2021 geplante Beringung von Dohlen und Schleiereulen weitere Leitern (3 x a10 Sprossen und 2 x a6 Sprossen) schenken oder finanzieren. Auch ein mobiler Flaschenzug, mit dem Werkzeug und Nistkästen in Kirchen und Trafotürmen nach oben gezogen werden können, würde den anstehenden Montageaufwand erleichtern.

Die Arbeitsgruppe bedankt sich bei allen Helfer*innen und Unterstützer*innen vor Ort, den Mitgliedern der Kirchengemeinden und den Eigentümern der Trafotürme, die den jeweiligen Zugang ermöglichten und zum Teil mit eigenen Mitteln unterstützten. Besonders möchte die Gruppe den Mitarbeitern von SinAlkol danken, die alle Sonderwünsche bei der Anfertigung der Nistkästen immer freundlich und qualitativ gut erfüllten.

Dieser Text wurde eingereicht von NABU-Mitglied Konrad Bauer

Die Rückkehr der Schleiereule

Erstmals steigt die Zahl der Schleiereulenküken im Osthavelland auf über 100 in einem Jahr

Die kleine Schleiereule wurde am vorigen Mittwoch gewogen.
Sie trägt es mit Fassung

Osthavelland. Mühsam ernährt sich nicht nur das Eichhörnchen, sondern auch die Schleiereule. Fehlende Brutplätze und mit Feldgiften belastete Mäuse hatten sie in der Vergangenheit stark gefährdet. Die Arbeitsgruppe “Turmvögel” des NABU Osthavelland hat es sich zum Ziel gesetzt, Schleiereulen, Turmfalken und Dohlen mit Brutstätten zu helfen. Und das hat viel gebracht. Seit 2016 bringt die Gruppe unter Anleitung von Konrad Bauer an Trafo- und Kirchtürme im Osthavelland Nistkästen an, die die Vögel gut annehmen.

Im Fall der Schleiereule sogar so gut, dass nun erstmals in einem Jahr 101 Schleiereulenküken zur Welt gekommen sind. Ein neuer Rekord!

Jedes Jahr sammelt die Arbeitsgruppe Spenden von Privatleuten und Gelder von der Unteren Naturschutzbehörde, um nach und nach mehr Nistkästen aufhängen zu können. Das hat sich bewährt. 2016 hingen 46 Kästen, es gab fünf Schleiereulenbrutpaare mit 22 Küken, sechs Turmfalkenpaare mit 17 Küken und Dohlen konnten zahlenmäßig nicht erfasst werden.

Im kleinen Stoffbeutel befindet sich ein 130 Gramm schweres Schleiereulenküken.
Es wird gerade von einem Mitglied der Arbeitsgruppe Turmvögel gewogen.

Mittlerweile gibt es schon 131 Kästen, 18 Schleiereulenpaare, zehn Turmfalkenpaare und 39 Dohlenpaare. Die Falken kamen in diesem Jahr auf 56 Jungvögel, die Dohlen auf sagenhafte 117 Küken und die Schleiereulen haben – teilweise durch zwei Bruten – 101 Küken bekommen.

Und weil die Brutplatzangebote so gut von den Tieren angenommen werden, ist nun auch die Arbeitsgruppe des NABU noch professioneller geworden: Leiter Konrad Bauer lässt sich gerade im Beringen von Jungvögeln schulen und die neuen Erfassungsbögen für Turmvögel beinhalten nun auch Gewicht- und Spannweitenmessungen für die Vogelnachkommen.

In einem Trafoturm in Ebereschenhof (Nauen) fand die Gruppe vorigen Mittwoch eine Zweitbrut mit sechs Küken. Das größte war beim Wiegen 130 Gramm schwer. “Wir hatten auch schon Jungvögel, die mit mehr als 400 Gramm schwerer als ihre Eltern waren”, sagt Konrad Bauer. Ein ausgewachsenes Schleiereulenweibchen wiegt etwa 400 Gramm, ein Männchen 300 Gramm.

Übrigens: Die größte Zweitbrut gab es dieses Jahr in Ribbeck. Das Gelege umfasste elf Eier. “Sechs Küken davon haben es geschafft, flügge zu werden”, sagt Bauer. Ein wirklich gutes Ergebnis.

Infos und Kontaktdaten zu den Arbeitsgruppen des NABU Osthavelland gibt es unter diesem Link: https://www.nabu-osthavelland.de/arbeitsgruppen/.
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